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Bestimmung des Unternehmenswerts
Praktikermethode, Multiplikatoren und DCF verständlich erklärt.
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Der Unternehmenswert ist die Zahl, um die sich bei einer Nachfolge fast alles dreht – und gleichzeitig eine der am meisten missverstandenen. Es gibt nicht «den einen richtigen Wert», sondern verschiedene anerkannte Methoden, die je nach Fragestellung unterschiedliche Ergebnisse liefern. Dieser Artikel erklärt die drei in der Schweizer KMU-Praxis gebräuchlichsten Methoden – Praktikermethode, EBIT-Multiplikator und DCF – und zeigt, wann welche sinnvoll ist.
Warum der Unternehmenswert die Basis für alles ist
Ohne eine realistische Wertindikation lässt sich weder eine Nachfolge sinnvoll planen noch mit einem Nachfolger oder Käufer verhandeln. Der rechnerische Unternehmenswert ist dabei nicht automatisch der spätere Verkaufspreis – wie beide zusammenhängen und wo sie sich unterscheiden, zeigt der Artikel Bewertung vs. Kaufpreis. Hier geht es zunächst darum, wie der Wert überhaupt ermittelt wird.
Die drei gängigen Bewertungsmethoden im Überblick
- Praktikermethode (Mittelwertmethode): Mischung aus Substanz- und Ertragswert, in der Schweiz traditionell verbreitet und rasch anwendbar.
- EBIT-Multiplikator: Der nachhaltige Betriebsgewinn wird mit einem branchenüblichen Faktor multipliziert – die in der M&A-Praxis heute gebräuchlichste Methode für KMU.
- Discounted-Cashflow-Methode (DCF): Die künftig erwarteten freien Cashflows werden auf den heutigen Zeitpunkt abgezinst – methodisch anspruchsvoller, aber am nächsten an der wirtschaftlichen Realität eines Käufers.
Die Praktikermethode
Die Praktikermethode gewichtet den Substanzwert (das bilanzielle Eigenkapital zu wirtschaftlichen Werten) und den Ertragswert (den kapitalisierten künftigen Gewinn), meist im Verhältnis eins zu zwei zugunsten des Ertragswerts: Unternehmenswert = (1 × Substanzwert + 2 × Ertragswert) ÷ 3. Ein Beispiel: Ein Handwerksbetrieb weist einen Substanzwert von CHF 800’000 und einen Ertragswert von CHF 1.4 Millionen aus. Der Praktikerwert liegt dann bei (800’000 + 2 × 1’400’000) ÷ 3, also rund CHF 1.2 Millionen. Die Methode ist schnell berechnet und in der Schweiz historisch weit verbreitet, gilt heute aber vor allem als grobe erste Orientierung – nicht als Basis für eine Verhandlung mit einem professionellen Käufer. Ihr Vorteil: Sie eignet sich gut, um früh im Prozess ein Gefühl für die Grössenordnung zu bekommen.
EBIT-Multiplikatoren
Bei dieser Methode wird der nachhaltig erzielbare EBIT – bereinigt um einmalige Effekte und branchenunübliche Kosten – mit einem Multiplikator versehen. Dieser Multiplikator orientiert sich an vergleichbaren Transaktionen in Branche und Grössenklasse und wird durch unternehmensspezifische Faktoren nach oben oder unten angepasst: Wachstum, Kundenkonzentration, Abhängigkeit von der Inhaberperson, Wiederholbarkeit des Umsatzes. Kleinere, stark inhabergeprägte Betriebe bewegen sich erfahrungsgemäss am unteren Ende der jeweiligen Bandbreite, breiter abgestützte Unternehmen mit stabilen Erträgen am oberen Ende. Seriöse, aktuelle Vergleichswerte für die eigene Branche liefert am besten ein spezialisierter Bewerter – pauschale Multiplikatoren aus dem Internet sind mit Vorsicht zu geniessen.
Die Discounted-Cashflow-Methode (DCF)
Die DCF-Methode plant die künftigen freien Cashflows über mehrere Jahre und diskontiert sie mit einem Kapitalisierungszinssatz auf den heutigen Wert ab. Sie ist aufwendiger als die anderen Methoden, weil sie eine fundierte mehrjährige Planung voraussetzt, bildet dafür aber am genauesten ab, was ein Käufer wirtschaftlich erwirbt: das Recht auf künftige Erträge. Gerade bei wachsenden Unternehmen oder anstehenden Investitionen liefert die DCF-Methode oft ein realistischeres Bild als eine reine Vergangenheitsbetrachtung.
Die DCF-Logik – alles wird auf heute abdiskontiert – ist auch der Grund, weshalb bei einem sofortigen Direktkauf tendenziell weniger übrig bleibt als bei Modellen mit gestreckter Zahlung. Wie sich das konkret auf Earn-Out- und Verkäuferdarlehen-Modelle auswirkt, erklärt der Artikel zur finanziellen Auswirkung der Nachfolgemodelle.
Welche Methode für Ihr Unternehmen passt
Für eine erste Standortbestimmung reicht häufig die Praktikermethode. Sobald die Bewertung als Basis für Verhandlungen mit einem Nachfolger, Investor oder Käufer dienen soll, lohnt sich zusätzlich ein EBIT-Multiplikator-Ansatz – und bei wachstumsstarken oder investitionsintensiven Unternehmen ergänzend eine DCF-Bewertung. In der Praxis werden oft zwei oder drei Methoden parallel gerechnet: Die Bandbreite der Ergebnisse zeigt den realistischen Korridor, in dem sich der Wert bewegt.
Was den Wert in der Praxis stark beeinflusst
Neben der reinen Rechenmethode wirken sich einige Faktoren überproportional auf das Ergebnis aus: die Abhängigkeit des Betriebs von der Inhaberperson, die Konzentration auf wenige Grosskunden, die Qualität und Aktualität der Finanzzahlen sowie die Planbarkeit künftiger Erträge. Wer diese Stellschrauben kennt, kann den Wert gezielt beeinflussen, bevor eine Bewertung überhaupt stattfindet – mehr dazu im Artikel Firmenwert vor dem Verkauf steigern.
Eine Unternehmensbewertung ist immer eine fundierte Einschätzung, keine exakte Wissenschaft. Für eine erste Orientierung genügt oft der eigene Treuhänder; sobald die Zahl als Verhandlungsgrundlage dienen soll, empfiehlt sich eine unabhängige, spezialisierte Bewertung.
Häufig gestellte Fragen
Welche Bewertungsmethode ist für ein KMU am besten geeignet?
Es gibt keine einzig richtige Methode. In der Praxis werden meist zwei bis drei Methoden parallel gerechnet – häufig die Praktikermethode als grobe Orientierung sowie ein EBIT-Multiplikator oder eine DCF-Bewertung als vertiefte Einschätzung. Die Bandbreite der Ergebnisse zeigt, in welchem Korridor sich ein realistischer Wert bewegt.
Was ist der Unterschied zwischen Praktikermethode und DCF-Methode?
Die Praktikermethode gewichtet Substanz- und Ertragswert der Vergangenheit und liefert eine schnelle Groborientierung. Die Discounted-Cashflow-Methode (DCF) bewertet dagegen die künftig erwarteten freien Cashflows und diskontiert sie auf heute ab – sie ist aufwendiger, aber näher an dem, was ein Käufer wirtschaftlich tatsächlich kauft: zukünftige Erträge.
Wie wird ein EBIT-Multiplikator bestimmt?
Der Multiplikator orientiert sich an vergleichbaren Transaktionen in Branche und Grössenklasse und wird um unternehmensspezifische Faktoren wie Wachstum, Kundenkonzentration und Abhängigkeit von der Inhaberperson angepasst. Er ist eine Erfahrungsgrösse, keine feste Formel – seriöse Werte stammen aus aktuellen, vergleichbaren Markttransaktionen.
Ist der berechnete Unternehmenswert gleich dem Verkaufspreis?
Nein. Der rechnerische Unternehmenswert ist der Ausgangspunkt für Verhandlungen, nicht das Ergebnis. Angebot und Nachfrage, die gewählte Nachfolgeoption und die konkrete Vertragsstruktur – etwa Earn-Out oder Verkäuferdarlehen – beeinflussen den letztlich vereinbarten Kaufpreis zusätzlich. Mehr dazu unter Bewertung vs. Kaufpreis.
Wer sollte die Unternehmensbewertung durchführen?
Für eine erste Orientierung reicht oft der eigene Treuhänder. Sobald die Bewertung als Verhandlungsgrundlage für einen Verkauf oder eine Übergabe dienen soll, lohnt sich eine unabhängige, spezialisierte Bewertung – sie schafft Glaubwürdigkeit gegenüber der Gegenseite und deckt blinde Flecken auf.
Wie wird die Praktikermethode berechnet?
Die gebräuchliche Formel lautet: Unternehmenswert = (1 × Substanzwert + 2 × Ertragswert) ÷ 3. Der Ertragswert – der kapitalisierte künftige Gewinn – zählt also doppelt so stark wie der bilanzielle Substanzwert. Bei einem Substanzwert von CHF 800'000 und einem Ertragswert von CHF 1.4 Millionen ergibt das einen Praktikerwert von rund CHF 1.2 Millionen.
Dieser Inhalt dient der ersten Orientierung und ersetzt keine Rechts-, Steuer- oder Finanzberatung im Einzelfall. Trotz sorgfältiger Prüfung übernehmen wir keine Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität. Für eine verbindliche Einschätzung Ihrer individuellen Situation empfehlen wir ein persönliches Gespräch.
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